Einblicke 2018

In 80 Tagen um den Napf

Eine Lokomotive mit sieben bunten Eisenbahnwagen fuhr im Frühling 1998 ab Huttwil rund um den Napf. Die Expedition dauerte 80 Tage und war eine beispiellose Aktion mit  vielen Kulturschaffenden und unzähligen Events und Auftritten. 20 Jahre nach der Reise erinnern sich der Initiant und Hauptprotagonist Menel Rachdi und sein Freund Ueli Reimann an das spektakuläre Ereignis.

 

Ärzte auf Hausbesuch

Es ist heutzutage selten, dass ein Arzt Hausbesuche macht. Dies war noch vor wenigen Jahrzehnten anders. Der Langenthaler Hausarzt Christoph Blum – er praktizierte von 1977 bis 2011 -  schildert die Zeiten, als Besuche bei Kranken zu Hause noch gang und gäbe waren. Er stützt sich etwa auf Berichte Gotthelfs und auf Schilderungen und Notizen des Langenthaler Arztes und Zeichners Eduard Le Grand der Vierziger- und Fünfzigerjahre (siehe Karte rechts). Dazu kommen seine eigenen Erlebnisse, die zeigen, wie sich Technik, Mobilität und medizinischer Alltag entwickelten und die Hausbesuche praktisch zum Verschwinden brachten.

 

Orgeln für den Hausgebrauch

Der Melchnauer Lehrer und Organist Hannes Kuert ist Orgelbauer aus Leidenschaft. Er hat in seiner Werkstatt verschiedenste Heimorgeln gebaut, oft in monatelanger oder sogar jahrelanger Arbeit. Er berichtet, wie er zu seinem Hobby kam, wie er Schritt für Schritt die Tücken des Baus erlernte und wie er später auch Saitentasteninstrumente baute.


Gasthof mit Tradition


An der Landstrasse Langenthal-Burgdorf steht in Hermiswil der Gasthof „Zum weissen Rössli“. 1639 erstmals urkundlich als Taverne erwähnt, bestand er also schon zur Zeit des Alten Bern. Theres Rentsch-Senn erzählt die Geschichte des „Rössli“, in dem einst gar Gerichtsverhandlungen stattfanden und das im 18. Und 19. Jahrhundert eine Pferdewechselstation für Postkutschen war.

 

Als die Eisenbahner streikten

Im Jahrbuch integriert ist ein Sonderband über das Geschehen in Huttwil im Herbst 1918. Autor Jürg Rettenmund zeigt die Geschichte des Eisenbahnerstreiks auf und berichtet im weiteren über die spanische Grippe sowie die Wehrmänner-Gedenkstätte in Huttwil. Mit ihrem Streik im Vorfeld des Landesstreiks legten die Angestellten die Huttwiler Bahnen während vier Tagen lahm. Ihre Forderungen nach höheren Löhnen endete mit einem Sieg auf der ganzen Linie.

 

 

 

b. st. L.


„Bitte stehen lassen“. Die Abkürzung stand früher auf den Wandtafeln so mancher Schule und ermahnte die Wandtafelchefs, das Geschriebene oder die Zeichnung nicht mit dem Schwamm wegzuwischen. Im Atelier des Malers Max Hari steht eine Tafel. Darauf hat er sich in seine Zeit als Schüler und Gymlehrer zurückversetzt und hat, statt auf Papier, Leinwand, Holz oder andere Materialien, auf dieser Tafel gezeichnet. Im Portfolio sind einige dieser vergänglichen Werke abgebildet.

 

1968

Das Jahr der Jugendrevolten, Demonstrationen und der freien Liebe warf auch in der Schweiz hohe Wellen, zum Beispiel mit den Globus-Krawallen in Zürich. Was geschah aber damals im Oberaargau? Johann Aeschlimann, damals selbst Jugendlicher, erzählt, wie es zu dieser Zeit war, in Langenthal jung zu sein. Er hat viele "Achtundsechziger" befragt. Obwohl es 1968 in Langenthal nie richtig brodelte, zeigt sein Beitrag dennoch, was in diesem Jahr und den folgenden Jahren dort so alles abging.

 

 

 

 


Die Wut des Journalisten


Am 2. September 1943 erschien in der Zeitung "Die Nation" ein Artikel von Peter Surava (1912-1995) über den Abbruch der Villa Gugelmann in Langenthal. Der Text - vom bekannten Fotografen Paul Senn illustriert - ist eine eigentliche Wutschrift, welche der Journalist Surava denn auch "Triumph des Unsinns" betitelt. Dass die herrliche Villa abgebrochen wurde und nicht zum Beispiel als Altersheim weiterbestehen konnte, ärgerte Surava masslos.


Lebendiges Gewerbe

Der Gewerbeverein Gondiswil konnte 2018 sein 75-Jahr-Jubiläum feiern. Aus diesem Anlass hat Jürg Rettenmund die Geschichte des Vereins aufgearbeitet. Erzählt wird diese anhand von Porträts über Gondiswiler Gewerbebetriebe, die sich im Dorf etabliert haben und teils ihre Produkte ins Ausland verkaufen.

 

 

 

Zerronnener Reichtum

In Wiedlisbach steht eine herrschaftliche Villa. Sie gehörte einst, zusammen mit dem benachbarten Bauernhaus einem Zweig der Industriellenfamilie Roth von Wangen. Der pensionierte Wiedlisbacher Lehrer Gottfried Holzer hat die Geschichte der Villenbesitzer recherchiert und erzählt von deren einstigem Reichtum und dem Niedergang des Besitztums.


Landwirte und duftende Essenzen


Neun Bauern aus dem nördlichen Oberaargau und eine Aromaexpertin gründeten 2005 die Firma Suissessences. Ziel war die Herstellung von Kosmetikprodukten aus einheimischen Kräutern. Die Idee wurde Realität: Seit 2007 vertreibt Suissessences diverse Pflegelinien und ätherische Öle und exportiert sie teilweise gar nach Übersee. Bettina Rysers Beitrag zeigt die Anfänge, die Entwicklung und die Zukunftschancen der Firma.


Das neue alte Dorfzentrum

Mitten in Herzogenbuchsee steht das Gasthaus Kreuz. Schon vor über 750 Jahren gab es dort eine Wirtschaft. Eine besondere Richtung nahm das aus dem Jahr 1787 stammende "Kreuz" mit dem Kauf durch den Frauenverein. Er betrieb das "Kreuz" als alkoholfreie Gaststätte und Gemeindezentrum bis 2004. Autor Hans Kaspar Schiesser dokumentiert den schleichenden Abstieg und den Neustart als Generationenhaus: Die Gemeinde als neue Besitzerin konnte ihr Sanierungsprojekt nicht ausführen, weil die Stimmbürger es ablehnen. Erst private Initianten und Geldgeber ermöglichen Restaurierung und die Eröffnung des umgebauten "Kreuz", das heute wieder als Gemeindezentrum funktioniert.